Eigentlich ist es Jahr für Jahr eine ausgemachte Sache. Die Rede ist von den britischen Top 40 Charts um die Weihnachtszeit, an deren Spitze in den letzten vier Jahren der Sieger der jeweils aktuellen X-Factor Staffel (der UK-Version von Starmania oder DSDS) stand. 2009 wäre also Joe McElderry an der Reihe – soweit, so unbekannt. Jedoch gab es einige Leute, die im Web gegen den Pop-Einheitsbrei, den sie von X-Factor Produzent Simon Cowell Jahr für Jahr vorgesetzt bekommen, aufstanden und kurzerhand die Facebook-Gruppe “Rage Against The Machine For Christmas No. 1” gründeten und zum Download der Single “Killing In The Name” aufriefen.
Tatsächlich zeigte sich auch in diesem Fall, was die Stimme von anfangs nur einigen wenigen auszulösen vermag. Die Single “Killing In The Name” verkaufte sich laut BBC in der letzten Woche knapp eine halbe Million mal und zählt somit 50.000 Downloads mehr als “The Climb” von Joe McElderry:
Wer nun mit Rage Against The Machine nichts anfangen kann, dem sei an dieser Stelle gesagt, dass es sich dabei um eine in den 90ern recht rebellische (und erfolgreiche!) Crossover-Band aus den USA handelt. Mit dem Alternative-Hadern “Killing In The Name” kam ich übrigens erst gute 10 Jahre nach seiner Veröffentlichung 1993 am Debütalbum “Rage Against The Machine” in Kontakt. Damals kaufte ich mir die Live-DVD “Battle of Mexico City” der inzwischen aufgelösten und seit 2007 wiedervereinten Band. Die Kassiererin wollte damals übrigens meinen Ausweis sehen, da die DVD (aufgrund der Texte?) ab 15 freigegeben war. hrhr. Gute 17 Jahre nachdem “Killing In The Name” erstmals in den Underground-Clubs gespielt wurde, lebt der Song nun also dank der Bewegung auf Facebook, deren Gruppe mittlerweile 975.000 Mitglieder zählt, im Mainstream auf. Sehr zur Freude von Rage Against The Machine selbst, die versprachen, die aus dem Downloadverkauf erzielten 65.000 Pfund einer Obdachlosen-Hilfsorganisation zu spenden und 2010 ein Gratis-Konzert in London zu spielen.
Was übrig bleibt, ist jedoch auch eine Frage, die sich wohl (hoffentlich) nicht nur Robert Rotifer stellt:
“Musste es ein alter RATM-Song sein, weil niemandem ein zeitgenössischer Track eingefallen wäre, der auf derart breiter Ebene für Widerstand steht? Und warum hat das Zeitalter der Post-9/11-Gesellschaft trotz Krieg, Folter und Krisen nichts Vergleichbares hervorgebracht?
Offenbar jedenfalls nicht, weil es keinen Bedarf dafür gäbe.”
Ein Fundstück, das ich euch zum Abschluß nicht vorenthalten möchte, ist ein weihnachtlicher Remix von “Killing In The Name” von brettdomino anlässlich des Charterfolgs.











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